Kuro lebte "Links und frei"

von Gustav Wentz

Am Mittwoch, 18. Oktober, ist Walter Kurowski im Alter von 78 Jahren gestorben. Oberhausen ehrte ihn als Stadtkünstler und erwarb seine Werke.

Vor ein paar Wochen hatte er sich noch sehr gefreut, sich ein bisschen auch geehrt gefühlt, als klar war, dass die Stadt Oberhausen, vertreten durch die Ludwiggalerie, seine daheim lagernden Kunstwerke kaufen würde. Jetzt ist er tot. Walter „Kuro“ Kurowski, der Mann mit dem markanten Schnauzbart und der schon lange silbernen Mähne, ist am Mittwochabend im Alter von 78 Jahren gestorben, ein außergewöhnlich offenes und öffentliches Leben im Kulturraum Stadt ist zu Ende.

Eine Würdigung.

Wo anfangen, wo aufhören? Der gebürtige Kettwiger wies so viele Talente auf und pflegte sie auch mit Leidenschaft, dass zentrale Punkte kaum zu setzen sind. Als junger Grafiker erhielt er 1960 den Folkwang-Preis, arbeitete aber schon früh auch mit Öl und Aquarell, mit Stichel und Hammer, am Stein, in Bronze und Stahl, mit Leinwand, auf Papier, mit Stift und Pinsel – und machte Musik.

Im Jazz konnte er sich versenken

Musik – nicht irgendeine, sondern Jazz. Die Kunst der Improvisation, die feste Regeln nicht kennt, die so wild, so zart, so bannend, so befreiend ist, sie war die seine. Die Geige, deren Spiel er einst erlernt hatte, legte er bald zur Seite. Kuro blies Trompete und Flügelhorn, fand schließlich sein bevorzugtes Instrument: den Kontrabass.

Wer je Kuro bei einem Auftritt gesehen hat, wie er neben den Kollegen stand, den Bass zupfte, ihm die dunklen Töne zum Rhythmus entlockte, die Augen schloss und sie aufriss, wenn das angegangene Thema nach unzähligen harmonischen und dynamischen Kringeln und Variationen wiedergefunden war, der ahnte, was Leidenschaft ist. Im Jazz konnte er sich versenken, da tauchte er ab, da war er ganz bei sich.

Das scheinbar schon ewig existierende „Jazzkarussell“ hat er gegründet und am Laufen gehalten, hat die wechselnden Formationen organisiert und mit immerwährendem Betteln um Sponsoren bezahlt. Für ganz kleines Geld hat Oberhausen großen Jazz kennengelernt, ob anfangs in seinem Eisenheimer Keller namens „Blue Note“ oder später in diversen Hotels, Cafés, Gaststätten und seit einigen Jahren im Gdanska sowie bei Surmann in Osterfeld.

Als bildender Künstler war er in jüngeren Jahren bekannter als heute: Wöchentlich erschienen seine Cartoons in der Gewerkschafter-Zeitschrift „Metall“. Für einen Skandal hatte in den 1970er Jahren das „Vampir“-Plakat gesorgt, mit dem er eine Aktion der Jusos gegen „Lehrlingsausbeuter“ unterstützte. Etliche Plastiken entstanden, so das Relief von Luise Albertz an der Stadthalle, der berühmte „Eisenmann“ aus dem rostenden Stahl, der bei Thyssen Niederrhein an der Essener Straße entwickelt worden war. Und immer wieder Grafiken und Bilder – oft politisch-bissige, oft privat-romantische, oft mit fauchend-fressender Industrie.

Viele haben einen Freund verloren

Die alte Losung „Links und frei“ lebte Walter Kurowski, ob in der von ihm mitgegründeten Fabrik K 14, bei den Ostermärschen und immer wieder beim Jazz. Seit zwei Jahren hatte eine Serie von Schlaganfällen sein Leben eingeschränkt, auch – das tat ihm besonders weh – sein künstlerisches. Die Stadt zeichnete ihn mit als Stadtkünstler aus und mit der Ehrennadel. Oberhausen hat einen großen Mitbürger verloren, viele einen Freund.

Foto: Herbert Höltgen